Mein Weg...

Lange Zeit habe ich gedacht, dass jeder Mensch so fühlt und wahrnimmt wie ich.
Erst viel später habe ich verstanden, dass das nicht selbstverständlich ist.

Schon früh kamen Menschen zu mir, wenn sie Streit hatten oder sich unverstanden fühlten.
Ich konnte mich in beide Seiten hineinversetzen, vermitteln, zuhören.

Damals erschien mir das völlig normal.

Heute weiß ich, dass diese Fähigkeit auch aus meiner eigenen Geschichte entstanden ist.

In meiner Familie gab es schon früh viel Trauer und Verlust.
Als Kind habe ich gelernt, sehr genau wahrzunehmen, wie es den Menschen um mich herum geht.

Lange Zeit habe ich geglaubt, für das Glück anderer verantwortlich zu sein.

Zu erkennen, dass dieses Muster aus meiner Kindheit stammt –
und es Stück für Stück loszulassen –
war ein wichtiger Teil meines eigenen Weges.

20 Jahre Polizei

Der Wunsch, Menschen zu helfen und für Gerechtigkeit einzustehen, hat mich schließlich zur Polizei geführt.

Über zwanzig Jahre habe ich als Polizistin gearbeitet.

In dieser Zeit habe ich Menschen in sehr unterschiedlichen Situationen erlebt:
in Krisen, in Konflikten, in Angst, manchmal auch am Rand ihrer Kräfte.

Ich habe dort unglaublich viel über Menschen gelernt.

Über ihre Stärke, ihre Verletzlichkeit –
und darüber, wie schnell Situationen eskalieren können, wenn niemand wirklich zuhört.

Meine Empathie und meine Intuition haben mir in vielen Situationen geholfen, den richtigen Ton zu finden:
mal klar und bestimmt,
mal mit Humor,
mal einfach mit ruhiger Präsenz.

Oft ging es nicht nur darum, eine Situation zu lösen –
sondern sie überhaupt erst wirklich zu verstehen.

Grenzen erkennen

Mit der Zeit habe ich auch gespürt, dass echte Hilfe oft erst dort beginnt,
wo meine Arbeit als Polizistin eigentlich schon aufhörte.

Man ist häufig die erste Person, die gerufen wird –
aber selten diejenige, die wirklich an die Ursachen gehen kann.

Viele Konflikte, viele Krisen haben tiefe Wurzeln.

Diese Erfahrung hat in mir immer mehr Fragen ausgelöst.

Ich begann mich intensiver damit zu beschäftigen, warum Menschen handeln, wie sie handeln.
Welche Muster wirken.
Und welche Geschichten wir über uns selbst tragen.

Dabei musste ich auch lernen, meine eigenen Grenzen zu erkennen.

Lange Zeit habe ich nicht nur meine eigenen Lasten getragen,
sondern auch die der Menschen um mich herum.

Zu lernen, mich abzugrenzen und trotzdem mitfühlend zu bleiben,
war eine wichtige Erfahrung auf meinem Weg.

Mein eigener innerer Weg

Wie bei vielen Menschen kam auch bei mir irgendwann ein Punkt,
an dem mein eigenes Leben mich dazu eingeladen hat, tiefer hinzuschauen.

Ich habe selbst Krisen erlebt und erfahren, wie herausfordernd es sein kann,
wenn das eigene Leben plötzlich ins Wanken gerät.

Auch in meiner eigenen Familie gab es Zeiten,
in denen wir mit sehr schweren Erfahrungen konfrontiert waren.
Diese Jahre haben mich gelehrt, wie viel Schmerz ein Mensch tragen kann –
und wie wichtig es ist, nicht allein damit zu bleiben.

Diese Erfahrungen haben mich gezwungen,
mich wirklich mit mir selbst auseinanderzusetzen.

Mit meinen Mustern.
Mit meinen Überzeugungen.
Mit den Geschichten, die ich mir über mich selbst erzählt habe.

Dabei habe ich gelernt, wie viel Kraft im Menschen steckt –
und wie stark wir uns manchmal auch selbst begrenzen können.

Was daraus entstanden ist

Heute begleite ich Menschen auf ihrem eigenen Weg.

Menschen, die spüren, dass etwas in ihrem Leben nach Veränderung ruft.
Menschen, die verstehen wollen, warum bestimmte Muster immer wieder auftauchen.

Und Menschen, die sich wieder mit dem verbinden möchten,
was in ihnen selbst liegt.

In meiner Arbeit geht es nicht darum, schnelle Lösungen zu liefern.

Es geht darum, gemeinsam hinzuschauen,
Raum zu halten
und Schritt für Schritt wieder Zugang zu dem zu finden,
was in dir selbst längst da ist.

Meine Haltung

Ich glaube daran, dass jeder Mensch bereits alles in sich trägt,
was er für seinen Weg braucht.

Manchmal braucht es nur jemanden, der zuhört,
der die Zwischentöne wahrnimmt und einen Raum hält,
in dem das Eigene wieder sichtbar werden darf.

Wenn deine Seele spürt, dass es Zeit ist, deinen eigenen Weg zu beginnen…

„Es ist nie zu spät, das zu werden,

was man hätte sein können.“

-Mary Ann Evans (1819-1880)

*Veröffentlichte ihre Romane unter dem Pseudonym Georg Eliot,

da Frauen als Schriftstellerinnen im 19. Jahrhundert kaum ernst genommen wurden.